Kategorie: Die Sternenflaum Geschichte

19. Kapitel | Sicherheit

„Es lässt uns aufatmen, doch es kann auch beklemmend sein. Das Umfeld, in dem wir leben, ist es das, was wir wirklich wollen, bzw. uns vom Leben wünschen? Sternenflaum, können wir uns darüber unterhalten?“

„Selten begegnen mir Menschen die diese Frage mit ‚Ja‘ beantworten können. Viel öfter sehe ich nach dieser Frage in Gesichter, die irgendwie scheinen, als würden sie sich in sich selbst zurückziehen. ‚Nein‘, das ist die Antwort, mit einem ‚leider‘ als Begleitung. Und ein ‚aber‘ kommt gleich anschließend noch dazu. Manchmal auch ein ‚wie‘.
Es gibt da eine Frage, liebe Fee, die kommt in dem Zusammenhang so gut wie nie, dabei ist es wohl die einzige Frage, auf die eine Antwort folgen kann.“

„Wie lautet sie?“

„Es ist die Frage nach dem ‚Warum‘. Warum ist mein Leben nicht so, wie ich es mir erträume, beziehungsweise wünsche?“

WARUM?

„Kann es sein, dass mir die Antwort darauf nicht gefallen wird?“

„Gut möglich. Die Antwort darauf ist: Sicherheit. Hat nicht jeder schon davon gehört, dass man sein Leben jederzeit ändern kann? Das ein jeder ‚seines Schicksals Schmied‘ ist? Auch hier heißt die Frage nicht ‚Wie‘, sondern ‚Warum‘. Warum ändere ich es dann nicht?“

„Flaumi, darauf antworten wohl viele: Aber wie kann ich es denn ändern? So viele Probleme, Umstände, Familie etc. Wie soll ich da was machen können?“

„Schau, es kommen wieder die ‚Wie-Fragen‘. Doch diese enthält keine mögliche Antwort; sie ist nur ein Verdrängen, ein Abschieben der Verantwortung für sein eigenes Leben. Die Frage bleibt: Warum? Die Antwort bleibt: Sicherheit.“

„Erkläre es mir bitte, Sternenflaum.“

„Hast du dich nicht wohlig eingerichtet in deiner Komfortzone Sicherheit? Ist es zwar lästig, langweilig, unausgefüllt, problembehaftet, schmerzend und schwierig, dein Leben, aber dennoch, wenn du es genau betrachtest, dann hast du doch alles, oder? Job, Haus, Familie, Auto etc. Anderen gehts schlechter, nicht wahr? Natürlich, es könnte besser sein, du könntest dich glücklicher fühlen, aber …“

„Tja, raus aus diesem Komfortzonen-Leben würde bedeuten, auch das vermeintlich Gute zu verlieren.“

„Pass auf, Fee, denn es würde unter anderem auch heißen, Bequemlichkeit mit Energie zu tauschen, das hat zwei Seiten. Wäre es nicht schön, wenn in deinem Leben mehr los wäre? Mehr Spaß und Freude, mehr Spontanität und Glück?“

„Ja, aber meistens …“

„Siehst du, die Antwort versteckst du in dir selbst. In deinem inneren Konflikt. Weil du glaubst, was oben steht, dass zum Beispiel die Bequemlichkeit abhandenkäme, würdest du dein Leben verändern. Weil du nicht glaubst, dass es dir nach der Veränderung wirklich besser geht, und du dir nicht vorstellen kannst, dass ein Verlassen der jetzigen Lebenssituation, dir automatisch mehr Lebensfreude beschert. Du siehst Probleme auf dich zukommen. Probleme die du jetzt nicht hast. Wiegst du sie gerade gegeneinander auf, in deinem Kopf? Solange du dies machst, wirst du nichts verändern. Du wirst dein gesichertes, aber langweiliges Leben nicht aufgeben.“

„Manche sagen, dass da wohl der Schmerz noch nicht groß genug ist.“

„Das stimmt so nicht. Der Schmerz ist riesig! Der Schmerz schreit in den Himmel! Es ist kaum auszuhalten. Und ein Ende, eine Schmerzgrenze, ist nicht in Sicht. Denn, je größer der Schmerz ist, beziehungsweise wird, umso mehr ziehst du dich in deine Sicherheits-Komfortzone zurück. Das ist völlig logisch und nur allzu menschlich.“

„Dann ist es nicht falsch?“

„Nein, daran ist nichts Falsches. Nur ist es keine Lösung.“

Frage dich:

  • Was verstehe ich unter dem Begriff Sicherheit – in Bezug auf mein Leben, meine Partnerschaft, meinen Beruf? Warum ist mir das so wichtig?
  • Was brauche ich, um diesen Bedarf zu decken? Warum glaube ich, zu wenig zu haben?
  • Ist es wirklich unmöglich für mich, dieses Bedürfnis auch außerhalb meiner jetzigen Welt zu stillen? Warum suche ich nicht danach?
  • Ist es überhaupt möglich, diese Sicherheit im Außen zu finden? Warum suche ich nicht im Innen?
  • Hat mir schon mal irgendwer völlige Sicherheit geben können oder bleibt immer so ein kleines Rest-Unsicherheitsgefühl übrig? Warum hinterfrage ich das nicht?
  • Was muss ich dafür tun, um von Außen, also von den Menschen in meinem Umfeld, diese Sicherheit zu bekommen? Warum kümmert mich das?
  • Ist mir der Preis zu hoch? Warum bewerte ich das überhaupt?
  • Warum brauche ich diese Sicherheit?

„Und bitte, falls du fragst: Kann ich das schöne, glückliche Leben nicht auch in meine jetzige Situation einbringen? Dann lausche auf die Antwort, die du soeben in deinem Inneren vernommen hast. Du kennst sie. Du weißt, welche Gefühle dafür notwendig sind und du weißt, ob diese Gefühle (noch) vorhanden sind, oder nicht?“

„Sternenflaum! Ja ich fühle es, doch ehrlich, das ist mir gerade zu viel auf einmal; ich brauche Zeit um über alles nachzudenken …“

Nachtlicht gefällig?“



18. Kapitel | Geduld

„Oh liebe Fee, was machst du für ein Gesicht? Eben warst du doch noch ganz glücklich mit deinen Träumen!“

Alles, was du dir erträumst, kannst du auch erreichen oder wenn du ein glasklares Ziel vor Augen hast, wirst du es auch schaffen. Danke. Flaumi! Ich weiß ja, dass dies alles wahr ist. Ich werde es auch erreichen, alles. Aber warum erst „bald“, warum denn nicht schon jetzt? Weil ich noch nicht so weit bin … Danke. Diese Geduld! Ich muss sie wohl noch lernen. Und bis dahin bin ich weiter geduldig, wie paradox!“

„Du möchtest mir also sagen, dass du geduldig bist während du lernen willst, geduldig zu sein?“

„Tja, scheint so, dass ich enorm geduldig bin. Aber Spaß macht es mir nicht. Weil ich denn Sinn dahinter nicht sehe. Wer braucht denn bitte Geduld?“

“Erst ganz zum Schluss ist, wer Geduld hat, schlauer”

Aus dem Buch PALA von Ralf Isau

„Eine liebe Freundin sagte einmal: ‚Lieber Gott schenk mir Geduld, aber bitte jetzt gleich‘ … Ich habe sie als sehr schlau in Erinnerung! Ach Sternenflaum, ich weiß ja, was du mir sagen willst. Es ist ein Weg, alles hat seine Zeit und ein Blümchen wächst mit der Sonne ganz in ihrem eigenen Tempo. Warum fällt es mir so schwer, zu warten?“

„Sieh es nicht als warten, sie es als Zeit der Reifung, des Werdens. Vielleicht darfst du lernen, noch mehr in der Gegenwart, im Jetzt, zu sein. Du träumst ein bisschen zu oft in deine Zukunft hinein. Dann willst du das alles haben, jetzt. Und nicht erst irgendwann. Doch, hast du nicht schon auch erlebt, dass sich die Dinge gut entwickeln, besser als du gedacht hast? Dass einmal einen Tag warten oder wie man so schön sagt, eine Nacht drüber schlafen, völlig neue Perspektiven aufzeigt?“

„Naja okay. Es ist wieder wie mit allem, die Harmonie finden. Hat das was mit Loslassen zu tun? Ich hörte davon schon öfter, doch das kommt mir genau so befremdlich vor, als Geduld positiv zu sehen.“

„Zu beidem brauchst du Vertrauen.“

DEINE WOLKE

Du hast eine Wolke
Hinter dir

Eine schöne
Weiße
Weiche und
Sichere Wolke
Sie beschützt dich
Sie fängt dich auf

Du kannst los-lassen
Von Gedanken
Und Ängsten

Du darfst vertrauen
Dir
Und deinen Gefühlen

Die Wolke
Ist ein Geschenk
Des Himmels
Und der Liebe 

„Die Wolke! Ja, ich erinnere mich an sie. Ich habe sie verschenkt. Es ist eigenartig, wie leicht es einem fällt, anderen zu sagen, sie sollen vertrauen haben.“

„Jetzt schenke ich sie dir.“

„Danke Sternenflaum. Sie ist schön. Wirklich! Und hier kommt es mir ganz natürlich vor, zu Vertrauen … Doch wie wird es sein, wenn ich wieder aufwache? Was ist mit meiner Angst, doch durch die Wolke zu fallen? Wie kann ich mir sicher sein …“



17. Kapitel | Träumen

Ich träume gerne und nicht nur nachts. Es ist so schön in wundervollen, glücklichen, fantastischen, irrealen, warmen, weichen und großen Gedanken zu schwelgen. Lange hab ich mir das selbst nicht erlaubt, lange rügte ich mich, wenn ich mich bei einem Tagtraum ertappte. Der Spruch »Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum« war immer wie ein Mahnmal in meinem Kopf. Jetzt nicht mehr. Jetzt träume ich wieder und gerne und viel. Ich genieße es, mir andere Leben auszumalen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, Neues zu erträumen. Meine Fantasie ist grenzenlos!

Träume dein Leben, damit es weiß, was es dir bieten soll!

„Ja genau! Super, Sternenflaum! Besser hätte ich es nicht ausdrücken können! Es ist schön, weil ich lernen durfte, dass mein Leben nicht weniger positiv ist, es ist einfach nur anders. Manchmal erlebe ich Dinge, die schon mal in meinen Träumen waren, das ist ein herrliches Glücksgefühl!

„Dennoch erwarte nicht von deinem Leben, liebste Fee, dass es so ist wie in deinen Träumen. Denn, dein Leben hat dasselbe Recht auf Freiheit und Grenzenlosigkeit, wie deine Fantasie.“

„Ich weiß, ich träume meinem Kopf vor, was ich will, was mir gefällt, was mich glücklich macht. Diese Träume sind keine Wünsche, es sind einfach Wegweiser für mich selbst. Und, sie helfen mir, meine Entscheidungen so zu treffen, dass ich mich wohl damit fühle. Und genau die Dinge zu tun, die mich meinen Zielen näher bringen.“

„Heißt es denn nicht »Der Weg ist das Ziel«?“

„Meine wunderschönen Träume sind ein Teil des Weges, dennoch ist es für mich trotzdem das Schönste »AM ZIEL ANZUKOMMEN«. Ankommen und feststellen: Das Leben ist herrlicher und verrückter als jeder Traum.“



16. Kapitel | Fühlst du dich?

Ich bin ein Licht. Wieder diese Aussage. Es klingt ja wunderschön, doch ich habe es immer noch nicht verdaut, denn grade beim Thema Liebe fühl ich mich alles andere als ‚Licht‘. Mein Herz schlägt treu für mich – ja das ist wohl so, ich darf meinem Herzen öfter mal danken, es nicht für so selbstverständlich hinnehmen, dass es mich am Leben hält. Manchmal wird es ganz schön in Anspruch genommen, darf es vor Freude hüpfen – aber ich lasse auch zu, dass es gequält wird, oder mache ich das selber? Allein der Gedanke daran tut schon weh … Sternenflaum? Bist du da? Bitte … ich fühl mich grade so seltsam – ich sollte ein Licht sein, mich selber mehr schätzen und annehmen, doch ach – ich wünsche es mir so sehr!“

„Was ist der Unterschied zwischen Wünschen und Wollen?“

„Ich möchte gerne etwas haben, ich wünsche es mir. Ich schicke die Wünsche dann auch noch ins Universum, damit sie mir von wundersamen Mächten einfach so erfüllt werden, und ja ich hoffe so sehr darauf! Bitte, bitte, erfüllt mir diesen Wunsch! Ich meine es ehrlich, wirklich! Das ist wünschen.“

„Also ist das Wünschen was Ähnliches ist wie das Erwarten, nämlich etwas Passives.“

„Oh …!“

„Nun, liebe Fee, ich will jetzt nicht sagen, dass diese Vorgehensweise generell nicht funktioniert, denn du hast es bestimmt erlebt, dass sich manche deiner Wünsche erfüllten. Auf zauberhafteste Weise.“

„Ja! Allerdings – wenn ich ehrlich darüber nachdenke, wurden mir nur die Wünsche erfüllt, die ich wirklich WOLLTE. Ja, es ist ein Unterschied, sich etwas nur zu wünschen, oder etwas wirklich haben zu wollen. Interessanterweise habe ich unbewusst oder instinktiv, bei den Wünschen die ich wirklich wollte, selber etwas nachgeholfen. Das heißt, ich habe etwas dazugetan, dass sich meine Wünsche erfüllten. Und das nicht, weil ich den Mächten des Himmels nicht vertraue, nein im Gegenteil, ich habe einfach nur meinen Beitrag zur Wunscherfüllung geleistet. Ich habe gezeigt, dass ich es wirklich WILL.“

„So sehr, dass du es schon gespürt hast, dass du schon wusstest, wie es sich anfühlt es zu haben, nicht wahr?”

„Ja, das stimmt. Somit ist also das Fühlen wichtiger als das Wollen.“

„Ein Paar, ein glückliches Paar, na ja sagen wir lieber ein zufriedenes Paar, lebt sein Leben. Mit Höhen und Tiefen, wie es eben so ist. Dann kommt irgendwann die Frage: ›Liebst du mich?‹ ›Natürlich‹ kommt als Antwort und ›Das weißt du doch‹. Sicher, aber man kann ja mal fragen … ›Ist alles in Ordnung‹ wird zurückgefragt usw. So ein Dialog ist Paaren bekannt. Was aber, wenn die Frage nun heißt: ›FÜHLST DU MICH?‹“

„Oh Flaumi, das glaub ich, traue ich mich nicht zu fragen.“

„Wie wäre es zu Anfang mit ‚FÜHLE ICH MICH?‘“

„Du meinst, WIE fühle ich mich?“

„Nein, liebe Fee, ich meine tatsächlich ‚FÜHLST DU DICH?‘“

„Fühle ich mich? Sternenflaum, lass mir bitte etwas Zeit. Ich sehe dahinten eine Blumenwiese, sie scheint genau auf mich zu warten.“

„Ja, sie lädt dich ein, dir Zeit zu nehmen, sie gibt dir Raum zu träumen.“



15. Kapitel | Ist es Liebe?

Ist es Liebe,
wenn man sich nach ihr / ihm sehnt?
wenn man in sich eine Leere spürt?
wenn man meint, da wäre jemand, der diese Leere füllen könnte?
wenn man meint, ohne sie / ihn nicht leben zu können?
wenn man meint, selber an zweiter Stelle zu stehen?
wenn man verspricht, was auch immer?
wenn man weint, still und leise?
wenn man weint, laut und schreit?
wenn man Angst hat um sie / ihn, sich Sorgen macht?
wenn man verzweifelt bettelt und fleht?
wenn jemand das Herz entzündet?
wenn man vor Freude förmlich platzt?
wenn man Sicherheit spürt?
wenn man vergibt – auch sich – und loslässt?

„Nun ja, Flaumi, ich denke schon … Also, nicht nur. Du sprichst auf meine Ent-täuschungen und Erwartungen von vorhin an, nicht?“

„Liebe Fee, du hast mir noch nicht erzählt, worum es sich bei deinen versteckten Verletzungen und Erinnerungen handelt. Die meisten dieser gesammelten Aussagen zur Liebe beziehen sich auf die Partnerschaft.“

„Doch ist das wirklich alles? Ist Liebe nicht viel mehr als das?“

„Sag du es mir!“

„Wie soll ein Mensch, der sich nicht selbst sieht, der nicht weiß, wer er ist, die Liebe erkennen?“

Würde die Wurzel einer Rose den Blick abwenden, 
sobald sie ihre Blüte sähe?

„Ach Flaumi, ist es denn ein Wunder, das Liebe hauptsächlich mit Beziehung gleichgesetzt wird? Die wenigsten erkennen sich selbst im Spiegel, die wenigsten wissen, wer sie sind, die wenigsten sind so ehrlich zu sich selbst, dass sie sich gerne im Spiegel betrachten können, und die Liebe – sie ist ein Spiegel. Der Spiegel des Ichs. Wir Menschen sind Liebe – denn aus nichts anderes sind wir entstanden.“

„Du siehst einen Sternenflaum bewundernd schweigen.“

DU

Frag
Wer du bist
Schau hin
Was da ist

Ein Herz
Ein ganz liebes
Es schlägt in dir

Es ist wie eine Katze
Die nicht fragt wie du aussiehst
Die nicht wissen will
Was du gelernt hast

Dein Herz schlägt für dich
Es ist deine Liebe in dir 
Wahr und rein

Hast du heute schon gelogen
Hast du jemanden verletzt
Warst du neidisch oder wütend

Dein Herz schlägt weiter
Für dich
Denn es weiß
Im Grunde bist du Liebe
In Wahrheit bist du

Licht


14. Kapitel | Ent-täuschung

Enttäuschung oder Ent-täuschung? 

Jeder kennt es enttäuscht zu werden,
jeder hat auch schon andere enttäuscht.
Enttäuschungen können ganz schön verletzen.
Nun können wir uns dieses Wort einmal
genauer angesehen und dabei feststellen,
dass es, mit Bindestrich geschrieben, uns sagt:

Es ist zu Ende mit der Täuschung.

„Mein lieber Sternenflaum, du kannst Gedanken lesen. Seit diesem Traum, der Musik und der Worte über das Augenöffnen, kommen mir mehr und mehr Erinnerungen in den Sinn, die ich bislang sorgsam verdrängte. Ja, ich habe enttäuscht und ja ich wurde enttäuscht. Du sagst jetzt, ich habe ent-täuscht. Das heißt also, dass sich jemand anderes mir gegenüber täuschte und ich das auffliegen ließ?“

„Fee, du wunderbares Menschenwesen. Ja, du kannst das durchaus so sehen. Schau, eine Enttäuschung folgt oft auf eine vorhergehende Erwartung. Eine Erwartung wiederum, ist eine passive, abwartende, wünschende, hoffende Haltung. Man erwartet von sich oder den anderen irgendetwas, aber man tut nichts dafür. Man wartet, dass es zu einem kommt. In den wenigsten Fällen ist dies aber der Fall.“

„Es erwarten etliche etwas von mir. Stimmt, sie warten regelrecht darauf, dass ich tue oder bin oder sein lasse was auch immer. Ich mag Erwartungen nicht. Ich verstehe sie nicht einmal.“

„Viele täuschen sich mit Erwartungen über die eigene Verantwortung hinweg. Wenn dann das Erhoffte, das Erwartete tatsächlich nicht eintritt, dann fühlt man sich enttäuscht. Im Grunde ist allerdings nur die Eigentäuschung aufgeflogen.“

Die Täuschung fliegt auf, wir sind sprichwörtlich Ent-täuscht.

„Flaumi, das ist die schmerzlichste Verletzung, wenn mir bewusst wird, dass ich doch eigentlich von vornherein wusste was passiert. Ich habe mich nicht auf mich selbst verlassen, habe von anderen etwas erwartet und erhofft, von dem ich doch wusste, dass es entweder nie eintritt, oder ich es dem anderen insgeheim doch gar nicht zutraute.“

„Ja, denn die Dinge, die dich im Leben weiterbringen, sind die, die du durch eigenes Tun in die Wege leitest. Wer kennt nicht den Satz: wenn man nicht alles selber macht … Doch genau das ist es. Du darfst es selber tun. Denn wenn du auf äußere Einflüsse wartest oder gar auf Wunder, dann unterliegst du einer Täuschung.“

„Heißt ja nicht, dass ich alles alleine tun muss. Nur eben ohne Erwartung. Wow. Schon wieder eine Herausforderung die sich gut anfühlt! Danke!“

„Versuche es, liebe Fee.“

„Flaumi, ich habe mal gelesen, dass wenn man die Meinung von jemanden hört, man sie entweder annehmen oder ablehnen kann, oder aber man kann daraufhin seine eigene Meinung über die Dinge der Welt entdecken. Du hilfst mir gerade sehr dabei!“

„Das wünsch ich dir und allen! Denn das zeigt, dass sich wer auf den Weg macht, den Weg zu sich selbst.“



13. Kapitel | Ein Traum

Ich renne und renne und komme nicht vom Fleck.
Hinter mir eine große, unheimliche Macht.
Sie verfolgt mich. Ich laufe davon.
Es geht nicht!
Ich möchte schneller laufen.
Die Füße sind schwer wie Blei.
Panik überkommt mich. Pure Angst.
Mir geht die Kraft aus.
Ich kann nicht mehr …

Ich bleibe stehen. Mit klopfendem Herzen.
Machtlos, erschöpft. Sekundenlang, Minutenlang.
Die Angst im Nacken.
Nichts passiert.
Ich werde nervös und ärgerlich.
Blöde Angst, jetzt fall schon über mich her,
du siehst doch, ich habe aufgegeben.
Nichts passiert.
Schnaubend vor Wut, mit rasendem Puls,
drehe ich mich um.
Ich falle zu Boden, sinke in mir zusammen,
weine und weine.
Die Angst, derer ich mich ergab,
sie ist »nur« die WAHRHEIT.

„Himmel, was war das denn? Hab ich geträumt? Bin wohl eingeschlafen … Ich hab scheinbar noch einiges vor mir. Vor der Wahrheit Angst haben, puh … erst mal wieder richtig wach werden …“

„Liebe Fee, bist du ok? Du siehst ganz schön mitgenommen aus.“

„Nun ja, es ist schon sehr eigenartig im Traum zu träumen. Und dieser panische Traum, den kenne ich, der hat mich schon öfter die Nacht gekostet.“

„Du hast dich umgedreht, dich der Angst gestellt. Das ist bewundernswert. Schaffst du das im Leben auch?“

„Manchmal schon, ja. Interessant, darüber habe ich bisher nicht nachgedacht, ich habe mich immer nur auf diese Angst vor der Wahrheit konzentriert. Dabei … jetzt kommt es mir wie eine Erleichterung vor, da es um die Wahrheit geht, kann mir ja nichts passieren. Ich muss mich eben nur trauen, hinzusehen. Apropos, Flaumi, es glitzert hier soviel … Was ist das da hinten? Es sieht ähnlich aus wie eine Schriftrolle, aber da ist irgendetwas anders … Ich höre Musik …“

Herzensdank an

Nikos von zero-project.gr für die zauberhafte Musik | Lied Awakening aus dem Album fairytale

JR Korpa für das faszinierende Bild, welches mich sofort an dieses Kapitel erinnert hat



12. Kapitel | Brücken

„Meinen Weg mit dem Herzen und in Dankbarkeit gehen. Wie schön das klingt und wie gut sich das anfühlt! Wie kommt es dann, dass dies so schwierig ist? Sternenflaum, das ist ein Widerspruch, den ich nicht begreife.“

„Liebste Fee, du gehst mit einem Bein aus dem Herzen und mit dem zweiten aus dem Verstand. Es wäre kein Wunder, wenn du ab und an stolperst.“

„Danke, Flaumi, du schaffst es mal wieder mit nachdenklich und zum Lachen zugleich zu bringen! Ich werde mir die Worte von vorhin, die über den Weg nochmal in Ruhe ansehen.“

„Das ist eine sehr gute Idee. Nimm dir Zeit, hier hast du Raum …“

„Vor kurzem las ich, dass es schwierig ist zu entscheiden, welche Brücken man gehen, und welche man abbrechen soll. Darüber habe ich viel nachgedacht. Mir fielen die Brücken ein, die ich in meiner Vergangenheit bereits abgebrochen habe. »Es tut mir leid« sind die Worte, die ich in mir höre, wenn mir die Trümmer einfallen, die ich wohl hinterlassen habe.“

„Wäre es nicht schöner, die Brücken nicht abzubrechen, sondern sich gegenseitig auf der Brücke zu verabschieden?“

„Oh! Die Stimme des Lichtes ist zurück! Verrätst du mir jetzt, wer du bist und woher du kommst? Ich mag es sehr, mit Sternenflaum hier zu sein, ich fühle mich wohl, wirklich! Doch ich habe so viele Fragen! Wo bin ich, wer bist du, warum bin ich hier, wie lange bin ich hier? Flaumi antwortet mir nicht richtig … Bitte du schöne Lichtstimme, sprich mit mir!“

„Erinnerst du dich an das Ziel der Reise? Nara?“

„Nara, der natürlichste Raum. Ja, ich erinnere mich. Das klingt so schön. So vertraut, so innen irgendwie. Warte, innen? Du meinst, Nara ist in mir? Ich habe einen Raum in mir?“

„Deine Reise zu dir. Eine Einladung, dich selbst besser kennenzulernen, besser mit dir klarzukommen, liebevoller zu dir zu sein, weil du dich mehr und mehr verstehst.“

„Die Zusammenhänge vor allem. Danke. Doch weißt du, ich hatte ein bisschen Angst vor der Reise, die Sache mit den Erinnerungen fällt mir schwer. Sternenflaum hat mir sehr geholfen, mir viel erklärt, doch da nagt noch so einiges. Das trage ich auch in Nara mit mir herum, nicht wahr?“

„Jeder weiß, wie sehr das schlechte Gewissen an einem nagen kann und wie lange. Nur selten bietet sich die Gelegenheit, sich nicht nur entschuldigen zu können, sondern auch wirklich die Trümmer beiseite zu räumen, also sich ehrlich auszusprechen. Natürlich gilt es dabei eine große Angst zu überwinden und den eigenen Stolz. Doch ist es nicht so, dass wenn du zurückdenkst, dir der Auslöser von damals, das was dich dazu brachte die Brücke abzubrechen, aus heutiger Sicht bei weitem nicht mehr so schlimm erscheint? Dass du oft nicht einmal mehr genau weißt, warum es Streit gab? Oder dass du einsehen darfst, dass du möglicherweise überreagiert hast? Selbst wenn dir die Geschehnisse noch sehr gut in Erinnerung sind und sie dich im Inneren immer noch schmerzen, möchtest du nicht gerne mit dem Thema abschließen?“

„So sehr!“

„Warte nicht darauf, dass der Mensch auf der anderen Seite auf dich zugeht. Geh du den ersten Schritt! Baue die erste neue Brücke, die der Ehrlichkeit. Baue die Brücke der Ehrlichkeit zu dir selbst. Und dann, gehe darüber und sage: »Es tut mir leid«. Denn dabei entschuldigst du dich auch bei dir selbst, denn du weißt, dass zu einem Streit oder einem Bruch, zwei gehören. Es ist auch nicht zwingend notwendig, dass ihr eine neue Brücke erschafft. Ein Verzeihen muss kein Neubeginn in dem Sinne sein. Vielmehr ist es ein Neubeginn in dir selbst. Du wirst dich freier fühlen!“

„Das braucht Mut.“

„Gib dir die Möglichkeit, dich von alten Schmerzen und Kummer zu befreien. Es funktioniert, du wirst sehen. Und dabei spielt es nicht einmal eine große Rolle, wie auf der anderen Seite reagiert wird. Du bist über die Brücke deiner Ehrlichkeit gegangen, hast die Angst und den Stolz überwunden. Du wirst dich großartig fühlen und du hast dir dieses Gefühl wirklich verdient! Sei glücklich darüber!“

„Ich will das wirklich! Es tut so vieles so leid und so weh und ich bin nicht mehr wütend, nur noch traurig und verletzt.“

„Um dir etwas von deiner Angst zu nehmen, möchte ich dir sagen, dass es auch möglich ist, dass auf der anderen Seite gar keine Trümmer mehr sind, dass dir längst verziehen wurde, bzw. Frieden mit der Sache gemacht wurde. Vielleicht trägst nur noch du das schlechte Gewissen mit dir herum? Also, geh den ersten Schritt, geh in jetzt. Denn dies ist so eine Chance, die das Leben einem bietet. Eine Chance auf die du doch schon lange gewartet hast. Nutze sie. Sie ist DEIN Geschenk. Deine Brücke.“

„Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Aber ehrlich, manche Enttäuschung sitzt sehr tief, ich weiß nicht, ob ich stark genug bin zu verzeihen … vor allem mir selbst zu verzeihen …“

„Wie wäre es mit Dankbarkeit?“

„Sternenflaum! Du bist zurück, wie schön! Ich habe mit der Lichtstimme gesprochen, aber das weißt du sicher. Diese Stimme klingt so warm und so vertraut, alle Worte sind so selbstverständlich wahr. Natürlich bin ich dankbar, sehr sogar! Diese Reise, sie ist wirklich ein Geschenk.“

„Dir Zeit und Raum zu nehmen ist eines, die Dinge vor dich herschieben dagegen …?“

„… ist nicht besonders klug, ich weiß. Vor allem, da das hier wirklich eine Chance ist. Doch gönnst du mir trotzdem eine Pause bitte? So viele Worte und Erinnerungen, soviel zu denken und noch viel mehr Gefühle … Ich muss das alles erstmal verarbeiten …“



11. Kapitel | Dankbarkeit

„Sternenflaum, ich möchte dir danken! Alles was wir zusammen erleben ist so wertvoll für mich. Ich weiß, dass ich manches noch lange nicht bis in die Tiefe verstanden habe, doch du zeigst mir, dass es viel wichtiger ist, weiterzugehen und es im Erleben zu fühlen. Ich dachte immer, meine Gefühle stehen mir im Weg, dabei zeigen sie mir ihn! Danke von ganzem Herzen.“

„Gehe deinen Weg, geh einfach los und verbessere dann unterwegs. Das macht mehr Spaß und bringt etwas Kreativität in deinen Perfektionismus.“

„Oh ja und Adrenalin vor allem. Es braucht ganz schön Mut für den Spaß, von dem du sprichst!“

„Ist es nicht schön, sich aktiv und lebendig zu fühlen?“

„Natürlich! So viel mehr als ängstlich stundenlang an etwas herumzuverbessern und mich dann über mich selbst ärgern, weil ich es nicht so hinbekomme … Danke nochmal Flaumi, du hilfst mir sehr, ich bin echt froh, dass ich hier mit dir unterwegs bin.“

„Ein Danke hilft immer zweimal. Dem der es ausspricht und dem den es gilt.“

„Ja, es fühlt sich echt gut an.“

„Nun komm weiter, wenn du magst.“

„Sehr gerne, doch wohin? Ich sehe keinen so schönen Weg wie die bisherigen …“

So ein Weg 

kann manchmal sehr kurvig
und unübersichtlich sein – doch könnte
er trotzdem ganz eben und von seltenen
Blumen gesäumt sein, wäre da nicht der
Verstand, der selbst den schönsten Weg
skeptisch hinterfragt. Der Verstand sieht
genau hin, sehr genau und er findet
Unebenheiten, kleine. Denn, sagt der
Verstand, wenn das Herz diesen Weg
ganz alleine entlang laufen würde, dann
könnte es stolpern! Ja, auch über einen
kleinen Stein. Also muss der Verstand
aufpassen, er hat ja schließlich eine
Verantwortung zu tragen! Denn so ein
Herz, meint der Verstand, kann
überhaupt nicht vernünftig und
vorsichtig sein.

So ein Weg

kann manchmal sehr kurvig
und unübersichtlich sein – doch kann er
trotz allem ganz eben und von seltenen
Blumen gesäumt sein – denn da ist ein
Herz! Ein liebendes Herz – es freut sich
und hüpft den Weg entlang. Es hüpft über
Steine hinweg, es springt um Unebenheiten
herum, wie viel Spaß das macht! Ganz
unbeschwert und glücklich fühlt sich das
an! Doch dann meldet sich der Kopf.
Das Herz lacht und sagt zu ihm:
„Bin ich nicht vernünftig, dass ich dir das
langweilige ›vorsichtig sein‹ überlasse?“


10. Kapitel | Jetzt

DU KANNST DEN LAUF DER ZEIT
NICHT FESTHALTEN
DU VERSCHLIESST DIE AUGEN
WENN DU ES VERSUCHST

ALLEIN IM FLUSS DER ZEIT
LIEGT DAS LEBEN
ALLEIN IM JETZT
FINDEST DU WAHRHEIT

DU KANNST NOCH SO SEHR
AUF DEIN ZIEL STARREN
DU VERKENNST DEN WEG
WENN DU ES VERSUCHST

ALLEIN IM OFFENEN BLICK
LIEGT DAS LEBEN
ALLEIN IM JETZT
FINDEST DU KLARHEIT

„Liebste Fee, wenn deine Tränen getrocknet sind, kannst du vielleicht erkennen, dass es dir eben zu dieser Klarheit geholfen hat, zu weinen.“

„Ich fürchte mich oft davor zu weinen, vermeide es oder schäme mich gar. Weinen fühlt sich so gar nicht gut und klar an.“

„Wenn du weinst, bist du im Jetzt. Auch wenn deine Gedanken in der Erinnerung umherschweifen oder deine Ängste in die Zukunft flüchten, deine Tränen fließen jetzt. Versuche, sie als eine Reinigung und Trost zu sehen, als Unterstützung für dich und deinen Weg durchs Leben. Nimm dir etwas Zeit und lasse die Worte auf dich wirken, versuche, zwischen den Zeilen ihr Geheimnis zu entdecken …“

„Ein Geheimnis? Okay, lass mich es nochmal hören. Schau, dort ist eine Schaukel! Gehen wir dorthin bitte, ich saß lange nicht mehr auf einer Schaukel.“

„Sehr gerne, liebe Fee. Schaukle und lausche.“

„Sternenflaum, du bist ein Segen! Ich danke dir von ganzem Herzen für dich und diese Reise. Du rückst mich ganz schön zurecht! Und es stimmt, es ist oft wie jetzt, nach dem Weinen muss ich lachen! Wir gehen noch ein Stück weiter zusammen, ja?“

„So weit und so lange du möchtest. Es ist mir eine Freude, dich zu begleiten.“