27. Kapitel | Achterbahnfahren

Liebste Fee, seit einiger Zeit schaue ich dir nun gebannt und interessiert zu. Deine letzten Worte, die du mehr gesungen und getanzt als gesprochen hast, klingen noch in meinem Kopf und in meinem Herzen. Eine wahre Freude!

Flaumi! Du bist da. Danke. Ja, ich fühlte mich großartig! Voller Leben und Energie und allem einfach! So wundervoll!

Fühltest?

Ja, in mir ist es wie bei dir, in der Erinnerung ein Traum.

Kann ich etwas für dich tun?

Hast du schon! Du bist da.

Erzählst du mir, was dich bewegt?

Es ist, als wäre ich in der schönsten Achterbahnfahrt der Welt dabei gewesen und anstatt es weiter zu genießen, bin ich wieder ausgestiegen. Jetzt schaue ich anderen zu. So als wäre es nicht okay, ständig zu fahren, ständig auf und nieder zu erleben und Loopings und Bauchkribbeln und alles das. So als wäre ich feige geworden und schau nur noch vom Rand aus zu.

Vielleicht schwirrt dir auch nur der Kopf und du machst eine Rast.

Echt jetzt? Das meinst du?

Klar. Du liebst das Achterbahnfahren. In echt und als Metapher für dein Leben. Eine Pause ist doch voll okay.

Stimmt. Stimmt!

Dann geht’s jetzt wieder los?

Ja Flaumi! Und wie!

Ist es nicht Glück,
von Fremden ein
Lächeln zu bekommen?


Ist es nicht Glück,
von Unbekannten
Lob zu hören?


Ist es nicht Glück,
mit Freunden die
Sonne zu genießen?


Ist es nicht Glück,
wenn Menschen sich freuen,
dass es dich gibt?


Ist es nicht Glück,
wenn du Worte bekommst,
die dich lieb umarmen?


Ist es nicht Glück,
Herzen zu berühren
die du nicht mal kennst?


Ist es nicht Glück?
Doch, ist es!

Fortsetzung folgt …



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Lebensfacetten

Danke für das Bild an Kiersten Cress | unsplash

Eine Erinnerung ♥

Das Leben zeigt sich uns in den verschiedensten Facetten. Einmal nur spazieren gehen, einmal nur mit offenen Augen durch den Park schlendern, einmal nur mit offenen Ohren den Menschen zuhören, einmal nur Gefühle zulassen, auch für vermeintlich Fremde. Facetten des Lebens eröffnen sich einem. Schöne wie Schmerzliche, unfassbar fast.

Wieder zuhause, im warmen Wohnzimmer, lässt man den Tag Revue passieren. Ein seltsames Gefühl stellt sich ein. Seltsam deswegen, weil man plötzlich dankbar ist, für das was man hat. Seltsam auch, weil man sich glücklicher fühlt, als noch am Morgen, und das, obwohl man nicht nur schönes gehört und gesehen hat. Oder vielleicht genau deswegen?
Auch das Denken und Fühlen erleben wir in tausend Facetten. Das Genießen ebenso wie auch das schlechte Gewissen. Sind Schuldgefühle angebracht, wenn man das Schicksal von anderen erfährt? Weil man selber oft jammert, obwohl es einem nie so „schlecht“ gegangen ist, wie so manch anderen?

Zeitlose Herzgedanken

Bevor sich in dir, der du diese Zeilen gerade liest, jetzt genau dieses schlechte Gewissen breitmacht, möchte ich dir sagen: „Nein.“ Wir brauchen uns wegen des Schicksals anderer nicht schlecht fühlen. Ich habe heute die Bestätigung dieses „Neins“ erlebt. Eben bei einem Spaziergang lernte ich Patrick kennen (den Namen habe ich aus Respekt vor seiner Privatsphäre abgeändert). Ihn hat das Leben arg gebeutelt, er war mehr als am Boden zerstört. Meine Probleme kamen mir da sofort winzig vor und ein Schamgefühl stellte sich ein. Jedoch, ihm ein menschliches Ohr zu leihen, ihm das Gefühl zu geben, dass es in dieser Welt noch Hoffnung gibt, dies konnte ich nur, weil ich dieses schlechte Gewissen durch Dankbarkeit ersetzte. Er merkte dies und er gab mir das Gefühl, dass genau diese ehrliche Menschlichkeit ihm jetzt eine Hilfe ist. Ich kann sein Leben nicht verändern, ich kann sein Schicksal nicht beeinflussen, aber ich helfe ihm keineswegs mit einem schlechten Gewissen. Und dann, nach ein paar Minuten reden, konnte er aufhören mit weinen, und einmal, ganz kurz, zeigte sich ein Lächeln in seinem Gesicht.
Lebensfacetten. Seine und meine. Authentisch und ehrlich.

Ich habe meine Schwierigkeiten mit dem Leben nicht verborgen, aber ich habe sie auch nicht wie ein Schild vor mir hergetragen. Ich habe ihm mit positiver Kraft und einem Lächeln gezeigt, dass die Sonne immer scheint, auch wenn sie gerade mal hinter einer Wolke versteckt ist. Seine Wolke mag größer sein wie meine. Und es mag wohl länger dauern, bis er wieder Licht sieht. Aber hätte ich mitgejammert oder mich hinter einem schlechten Gewissen versteckt, er hätte mir das mit der Sonne nie geglaubt.

Dieses Erlebnis hat sich vor einigen Jahren in der Schweiz zugetragen. Es tut mir gut, mich daran zu erinnern. Ich fühle es noch, sehe den Park, die Trauer und das Lächeln …



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26. Kapitel | Schönes

SCHÖNES

Wenn einem nur Schönes begegnet
So schön
Dass das Herz förmlich hüpft
So schön
Dass das Herz mehr als lacht

Dann fühlt man das Glück
Im Inneren
Es verdrängt die Traurigkeit
Im Inneren
Es verdrängt die Unwahrheit

Wenn sie nach draußen will
Die Angst
Wird sie zurückgehalten
Die Angst
Wird sie als Illusion entlarvt

Dann bäumt sie sich auf
Gegen das Glück
Ist hilflos gegen den Mut
Gegen das Glück
Ist hilflos gegen die Liebe

Wenn Freude dich durchdringt
Als Sieger
stehst du über deinen Sorgen
Als Sieger
Stehst du in der Sonne und lachst

Nächstes Kapitel: Achterbahnfahren



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25. Kapitel | Loslassen

Loslassen vom Thema
Abschied nehmen von der Angst
Sich befreien von alter Last

Wenige Worte sind es
Die einem den Atem
Schwer werden lassen

Wenige Worte sind es
Die einen erinnern
An Wunden und Narben

Blockaden lösen
Aus dem Schatten treten
Nach vorne sehen

Noch weniger Worte
Bedarf es
Um sich abzuwenden

Noch weniger Worte
Braucht es
Um sich bewusst zu werden

Dass man nur wegläuft
Nur zusieht
Nur abwartet

Ich
Dass ich nur verdränge
Dass ich Angst habe


„Liebe Fee, Feodora! Wir sind da! Du bist so klug und zart und stark! Schau, wie weit du schon gekommen bist, was du alles erkannt hast!“

„Sternenflaum, Licht, ja, ich weiß und ich danke euch! Doch, wenn ihr nichts dagegen habt, möchte ich dieses Loslassen-Thema gerne loslassen. Es ist wie ein Bild welches mir nicht gefällt, ich aber dennoch gebannt darauf starre. Es ist Zeit, mich wieder dem Schönen zu widmen. Der Freude!“

„Nichts lieber als das! Da sind wir dabei!“



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24. Kapitel | Schatten verstehen

„Sternenflaum, bitte, bist du da? Das ganze Thema mit Licht und Schatten beschäftigt mich mehr als mir lieb ist. Es kommt mir vor, als würde ich dabei über die Welt an sich nachdenken. Das ist mir echt zu groß!“

„Liebste Fee, das Thema um Licht und Schatten beschäftigt die Welt wohl seit Anbeginn. Wenn du erlaubst, betrachten wir es aus der jetzigen Sicht, aus deiner jetzigen Perspektive und Wahrnehmung.“

„Ja, okay, danke. Das klingt besser.“

„Bitte, Fee, erwarte aus unseren Gesprächen und auch aus deinen Überlegungen keine Endlösung oder gar die perfekte Antwort. Beides kann es, bei genauerer Betrachtung, nicht geben.“

Leben ist lebendig

ist in Bewegung

ist ohne Ende

„Dann ist Perfektionismus also an sich gar nicht möglich?“

„Für den Moment schon.“

„Doch im nächsten kann schon wieder alles anders sein, etwas noch besseres auftauchen …“

„Genau. Du befreist dich von dem Drang etwas perfekt machen zu wollen, wenn du einsiehst, dass dies immer nur eine Momentaufnahme ist.“

„Flaumi, somit hat sich schonmal ein Schatten erledigt.“

„Wie meinst du das?“

„Wenn ich etwas nicht perfekt genug hinbekommen habe, wanderte dies direkt in den Schattenbereich.“

„Interessant.“

„Ja, wow, das finde ich auch gerade!“

„Fee, wie weißt du eigentlich, wann du etwas nicht perfekt genug gemacht hast?“

„Wenn der Applaus fehlt. Also, ich meine, nicht klatschen oder so, mehr im übertragenen Sinn. Wenn also das, was ich mache, nicht auf positive Resonanz stößt.“

„Dann machst du das, was du machst also nur für andere?“

„Nein! Flaumi! Ach … na toll. Plitschplatsch in den Schatten.“

„Schatten ist gut für einen kühlen Kopf!“

„Flaumi! Bitte!“

„Ist ja gut. Pause?“

„Hmmmmm …“

„Sternenflaum! Hallo?!“

„Liebste Fee, willst du in diesem Fall auch mit mir Vorlieb nehmen?“

„Licht! Oh, ja natürlich. Ich meine, wer wäre besser geeignet für ein Gespräch über Licht und Schatten …“

„Jede und jeder im Grunde. Doch ich merke, wie sehr dich das Thema beschäftigt. Du versuchst zu kategorisieren, weil du nicht werten willst. Gleichzeitig findest du zu wenig Übereinstimmungen ebenso wie zu viele Widersprüche. Es ist nicht verwunderlich, dass du verwirrt bist.“

„Danke.“

„Gerne. Feodora, sag mir, hast du während einer Meditation schon einmal Schatten gefühlt oder besser gesagt, dass, was du darunter verstehst?“

„Nein. Doch das ist auch etwas was mich beschäftigt. Wenn doch Licht und Schatten zusammengehören, warum fehlt dann ein Teil während einer Medi?“

„Weil du sie vorher getrennt hast.“

„Ich?“

„Nicht nur du allein. Bitte, versuche zu fühlen.“

„Okay. Ich bin ganz ruhig.“

„Das fällt dir gerade überraschend leicht?“

„Stimmt. Das waren gerade meine Gedanken.“

„Möchtest du jetzt einen Schatten hervorholen?“

„Sicher nicht!“

„Trau dich und schau hinter dich. Du wirst einen Schatten sehen.“

„Bitte, bring mich nicht zum Weinen!“

„Schau, liebste Fee, schau hin. Schau wie das Licht den Schatten durchdringt! Schau, wie beide aus denselben Farben bestehen! Deine Traurigkeit, deine Angst, deine schmerzvollen Erinnerungen – natürlich weichst du dem aus, doch schau, wie Hoffnung erwächst, wie sich innerer Frieden ausbreitet, wenn du der Angst mutig begegnest! Schau, wie dich deine Erinnerungen schützen und deine Traurigkeit dich mit lieben Menschen verbindet. Ist diese Kraft schwächer als das Licht?“

„Nein, überhaupt nicht! Ich …“

„Ganz ruhig. Bleib bei dir, atme so entspannt wie möglich und lass dir Zeit.“

„Ja … Danke! … Ich …“

„Psst … Atme …“



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23. Kapitel | Licht & Schatten

„Ich leb ja! Doch, lieber Sternenflaum, deine Fragen vorhin haben mir ganz schön zugesetzt. Ist es wirklich so, dass ich nicht richtig lebe, wenn ich mich zurückziehe? Mal nachdenklich bin oder traurig?“

„Natürlich nicht, liebste Fee! Die Fragen dienen dazu, dass du von dort auch wieder zurückkommst, wieder aufstehst und das Leben aktiv lebst.“

„Danke, Flaumi, hat ja geholfen. Ich möchte gerne mit dir etwas besprechen, was mir dazu nicht aus dem Sinn geht:

LICHT UND SCHATTEN

Wenn ich das höre, verbinde ich es mit Glück und Traurigkeit. Wie Antonyme. Das Licht, das Glück, die Heiterkeit und Lebensfreude. Der Schatten, die Traurigkeit, die Sorgen und Schmerz. Das eine kann ohne das andere nicht existieren, heißt es.“

„Ohne Lichtquelle gibt es keinen Schatten.“

„Wenn Glück Licht ist und Traurigkeit Schatten, dann stimmt es für mich nicht mehr richtig. Denn das hieße ja, wo Traurigkeit ist, ist auch Glück da, es bringt sie sogar hervor! Eine verwirrende Vorstellung. Denn wer schon einmal richtig traurig war, der weiß, dass solche Vergleiche einem nicht wirklich weiterhelfen. Da ist kein Glück, nicht mal ein kleines. Und andersherum, wenn man so richtig glücklich ist, wenn man die Welt umarmen könnte vor Freude! Wenn das Herz in einem springt, die Sonne in einem lacht, wenn alles nur noch wunderschön ist, … wo ist dann der Schatten, bzw. die Traurigkeit? Nicht da, definitiv nicht da.“

„Nicht in deiner Wahrnehmung.“

„Stimmt. In meiner Wahrnehmung möchte ich Schatten nicht mehr als etwas Negatives haben. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. In einem Buch las ich vor kurzem: „Zwei Schwestern, Licht und Schatten, eine Nähe die keine Worte braucht.“ Da wurde Licht für Fröhlichkeit und Schatten für Nachdenklichkeit benutzt. Und wieder heißt es, nicht eines ohne das andere. Ich verstehe es nicht.“

„Du magst es vor allem nicht, wenn Nachdenklichkeit als etwas Negatives dargestellt wird, nicht wahr?“

„Flaumi, ich habe das Gefühl, wenn ich für andere nachdenklich bin, ich in Wirklichkeit ganz nah bei mir selbst bin. Ich denke nicht nur nach, ich fühle nach. Tief und still und gründlich.“

„Da hast du vielen etwas voraus. Lass dich bitte von dir nicht abbringen. Auch nicht von mir! Ich locke dich, ja, denn du möchtest viel erfahren und dich besser kennen lernen.“

„Danke Sternenflaum, wirklich! Es ist nur so seltsam, den aufs erste Hören hin, weiß ich genau was gemeint ist, wenn Menschen oder Situationen mit Licht und Schatten beschrieben werden. Nur dann, wenn ich genauer darüber nachdenke, dann erschließt sich mir der Sinn doch nicht.“

„Du machst das bisher ganz richtig. Mit dem Herzen denken. Versuche es nochmal.“

„Ich will nicht so banal darüber denken, wie, selbst im größten Glück kann mal was passieren, auf den Regen folgt Sonnenschein und umgekehrt, oder aus jedem Loch kommt man wieder raus, wenn man nur will. Ja was will? Das Licht sehen? Sicher. Ich stelle mir gerade ein tiefes, dunkles Loch vor, eine traurige, weinende Seele. Sie sucht das Licht, die Seele will wieder lachen. Aber was bringt es, wenn man ganz unten sitzt, und oben sieht man, dass die Sonne scheint? Soll man heiter rufen, ah die Sonne, das Licht! Jetzt ist wieder alles gut? Was, wenn die Sonne blendet und man den Kopf abwendet? Wieder Schatten.“

„Stell dir einen wundervollen Tag am Meer vor. Herrlicher Sonnenschein, warmer Strand, kühles Meer, ein Traumtag, eine Seele die lacht und liebt. So schön, so wunderschön. Am Strand stehen Palmen, sie spenden Schatten. Gut tut das. Ein bisschen Pause machen, sich unter die Palme in den Schatten legen, das Leben genießen … Wo ist das Problem? Es gibt keines. Nicht einmal der Schatten vermag das Glück zu stören. Und du willst jetzt auch nicht hören, dass jeder schöne Tag mal zu Ende geht, oder wer weiß, vielleicht regnet es morgen, oder man streitet abends über irgendwas. Oder: aus jedem Traum wacht man mal auf.“

„Nein, Flaumi! Kann es auch NUR Licht geben? Muss wirklich immer Schatten folgen? Selbst wenn, dann bitte wie bei den Palmen am Meer.
Schatten integriert und genutzt.“

„Die Sterne werfen keinen Schatten.“

„Oh.“

„Das ist jetzt seltsam, es klingt traurig. Du wolltest doch NUR Licht …“

„Änderung. Ich nehm den Schatten mit. Die armen Sterne. Das wäre ja wie, wenn ich als lichtvoller Mensch keinen Schatten werfen würde … so als hätte mein Leben und Tun keine Auswirkung. Dabei kann sich ja auch jemand in meinem Schatten kühlen und erholen (nur so als Palme gedacht), wenn ich jemandem helfe zum Beispiel. Dabei klingt das jetzt ziemlich arrogant. Flaumi, ich komme da gerade nicht weiter.“

„Nimm dir Zeit, das kennst du ja schon. Wir sprechen bald weiter.“



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22. Kapitel | Ich frage dich

Liebste Fee, du hast dich zurückgezogen, wirkst nachdenklich. Wir lassen dich in Ruhe, doch lassen dich auch wissen, dass du nicht alleine bist. Wann immer dir danach ist, komm zurück zu uns und erzähle. Was dich bewegt, was dir am Herzen liegt, wir hören zu.

Kannst du beschreiben,
wie es dir geht?
Kannst du mir zeigen,
wie du dich fühlst?


Kannst du begreifen
was los ist, mit dir?
Kannst du erklären
was passiert mit dir hier?


Kannst du mir sagen,
warum du dich quälst?
Kannst du erklären,
warum es dich schmerzt?


Kannst du hinsehen
und annehmen was ist?
Kannst du Ja rufen
und lieben, dein Ich?


Kannst du verzeihen
die Verletzung von einst?
Kannst du nach vorn' schauen
die Träume im Blick?


Kannst du mal still sein
und horchen in dich?
Kannst du mal laut sein
und schreien was geht?


Kannst du endlich mal leben
und wollen das Glück?
Kannst du frei sein
und lachen und umarmen die Welt?


Kannst du vertrauen
dem Ungewissen und dir?
Kannst du entgegenstehn
dem Anklagen hier?


Dann steh auf und sag
– Ich leb!


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21. Kapitel | Seelenfreunde

Einfach nur da sein.

In diesem Moment.

Innehalten.

Umarmen.

Fühlen.

Halt geben.

Halt spüren.

Fallen lassen – sich, die Gedanken, die Sorgen …

Niemand ist alleine, ich nicht, du nicht.

In diesem Moment verbinden uns die Worte.

Über die Augen, die Ohren, in den Geist, ins Herz.

Pure Energie, übers Universum hinaus, Kilometer weit.

Gefühle fliegen in die Seelen.

Im Inneren fühlen wir diese Nähe.

Tränen fließen.

Fließen wie ein kleiner Bach im Licht.

Es ist gut.

Tränen waschen uns von innen rein.

Um wieder klar sehen zu können.

Uns von innen sehen.

Innen sehen wie wir fühlen, innen sehen, wie wir gefühlt werden.

Seelenfreunde.

Ja, das sind wir in diesem Moment.

Es ist schön, wenn sich Seelen umarmen.

Lass sie zu, diese Nähe, diese unerklärliche Vertrautheit.

Frag nicht, nicht jetzt.

Ich bin da und du bist da, in diesem Moment.



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20. Kapitel | Zauberkerze

Es ist wie eine Kerze im Inneren.
Eine Zauberkerze die hell leuchtet;
ein warmes, weiches Licht, an dem
du dich nicht verbrennen kannst.
Und, es ist eine Kerze die niemals
abbrennt. Dennoch kann sie ausgehen – 
durch einen starken Sturm zum Beispiel.
Ein Sturm der von außen zu dir nach
innen dringt. Und, der, selbst wenn er
sich wieder legt, Schaden angerichtet hat.

„Manchmal kommt die Kerze auch ins Flackern – wenn Unsicherheit zu spüren ist. Im eigenen Inneren, aber auch mal übertragen von anderen. Und es gibt Situationen, in denen die Kerze langsam auszugehen droht. Wie, wenn ihr der Sauerstoff ausgehen würde. Ganz sacht passiert das, anfangs noch unbemerkt. Doch sobald du es fühlst, gilt es herauszufinden, woran es liegt, dass zu wenig Sauerstoff für die Kerze da ist.“

„Sternenflaum, sag, kommt von außen nicht mehr so viel wie früher? Oder werde ich von außen gerade zu damit überflutet und schließe intuitiv das Ventil? Oder habe ich das Ventil sogar geschlossen, weil ich diesen »Sauerstoff«, den ich so lange bekam, nicht mehr will?°

„Fee, lässt du die Kerze langsam ausgehen und siehst auch noch dabei zu? Wie es immer weniger wird, das Leuchten? Wie so langsam alles abstirbt? Du könntest das Ventil wieder öffnen, ein wenig schon würde genügen. Aber willst du das überhaupt? Doch! Bestimmt willst du das. Denn es ist ein kaltes Gefühl im Inneren ohne die Kerze. Und, wenn sie erst einmal aus ist, wer weiß wie lange es dauert, bis sich dieses absolute Glücksgefühl wieder einstellt, dieses Gefühl der Liebe, das zuständig ist fürs Anzünden der Kerze.“



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19. Kapitel | Sicherheit

„Es lässt uns aufatmen, doch es kann auch beklemmend sein. Das Umfeld, in dem wir leben, ist es das, was wir wirklich wollen, bzw. uns vom Leben wünschen? Sternenflaum, können wir uns darüber unterhalten?“

„Selten begegnen mir Menschen die diese Frage mit ‚Ja‘ beantworten können. Viel öfter sehe ich nach dieser Frage in Gesichter, die irgendwie scheinen, als würden sie sich in sich selbst zurückziehen. ‚Nein‘, das ist die Antwort, mit einem ‚leider‘ als Begleitung. Und ein ‚aber‘ kommt gleich anschließend noch dazu. Manchmal auch ein ‚wie‘.
Es gibt da eine Frage, liebe Fee, die kommt in dem Zusammenhang so gut wie nie, dabei ist es wohl die einzige Frage, auf die eine Antwort folgen kann.“

„Wie lautet sie?“

„Es ist die Frage nach dem ‚Warum‘. Warum ist mein Leben nicht so, wie ich es mir erträume, beziehungsweise wünsche?“

WARUM?

„Kann es sein, dass mir die Antwort darauf nicht gefallen wird?“

„Gut möglich. Die Antwort darauf ist: Sicherheit. Hat nicht jeder schon davon gehört, dass man sein Leben jederzeit ändern kann? Das ein jeder ‚seines Schicksals Schmied‘ ist? Auch hier heißt die Frage nicht ‚Wie‘, sondern ‚Warum‘. Warum ändere ich es dann nicht?“

„Flaumi, darauf antworten wohl viele: Aber wie kann ich es denn ändern? So viele Probleme, Umstände, Familie etc. Wie soll ich da was machen können?“

„Schau, es kommen wieder die ‚Wie-Fragen‘. Doch diese enthält keine mögliche Antwort; sie ist nur ein Verdrängen, ein Abschieben der Verantwortung für sein eigenes Leben. Die Frage bleibt: Warum? Die Antwort bleibt: Sicherheit.“

„Erkläre es mir bitte, Sternenflaum.“

„Hast du dich nicht wohlig eingerichtet in deiner Komfortzone Sicherheit? Ist es zwar lästig, langweilig, unausgefüllt, problembehaftet, schmerzend und schwierig, dein Leben, aber dennoch, wenn du es genau betrachtest, dann hast du doch alles, oder? Job, Haus, Familie, Auto etc. Anderen gehts schlechter, nicht wahr? Natürlich, es könnte besser sein, du könntest dich glücklicher fühlen, aber …“

„Tja, raus aus diesem Komfortzonen-Leben würde bedeuten, auch das vermeintlich Gute zu verlieren.“

„Pass auf, Fee, denn es würde unter anderem auch heißen, Bequemlichkeit mit Energie zu tauschen, das hat zwei Seiten. Wäre es nicht schön, wenn in deinem Leben mehr los wäre? Mehr Spaß und Freude, mehr Spontanität und Glück?“

„Ja, aber meistens …“

„Siehst du, die Antwort versteckst du in dir selbst. In deinem inneren Konflikt. Weil du glaubst, was oben steht, dass zum Beispiel die Bequemlichkeit abhandenkäme, würdest du dein Leben verändern. Weil du nicht glaubst, dass es dir nach der Veränderung wirklich besser geht, und du dir nicht vorstellen kannst, dass ein Verlassen der jetzigen Lebenssituation, dir automatisch mehr Lebensfreude beschert. Du siehst Probleme auf dich zukommen. Probleme die du jetzt nicht hast. Wiegst du sie gerade gegeneinander auf, in deinem Kopf? Solange du dies machst, wirst du nichts verändern. Du wirst dein gesichertes, aber langweiliges Leben nicht aufgeben.“

„Manche sagen, dass da wohl der Schmerz noch nicht groß genug ist.“

„Das stimmt so nicht. Der Schmerz ist riesig! Der Schmerz schreit in den Himmel! Es ist kaum auszuhalten. Und ein Ende, eine Schmerzgrenze, ist nicht in Sicht. Denn, je größer der Schmerz ist, beziehungsweise wird, umso mehr ziehst du dich in deine Sicherheits-Komfortzone zurück. Das ist völlig logisch und nur allzu menschlich.“

„Dann ist es nicht falsch?“

„Nein, daran ist nichts Falsches. Nur ist es keine Lösung.“

Frage dich:

  • Was verstehe ich unter dem Begriff Sicherheit – in Bezug auf mein Leben, meine Partnerschaft, meinen Beruf? Warum ist mir das so wichtig?
  • Was brauche ich, um diesen Bedarf zu decken? Warum glaube ich, zu wenig zu haben?
  • Ist es wirklich unmöglich für mich, dieses Bedürfnis auch außerhalb meiner jetzigen Welt zu stillen? Warum suche ich nicht danach?
  • Ist es überhaupt möglich, diese Sicherheit im Außen zu finden? Warum suche ich nicht im Innen?
  • Hat mir schon mal irgendwer völlige Sicherheit geben können oder bleibt immer so ein kleines Rest-Unsicherheitsgefühl übrig? Warum hinterfrage ich das nicht?
  • Was muss ich dafür tun, um von Außen, also von den Menschen in meinem Umfeld, diese Sicherheit zu bekommen? Warum kümmert mich das?
  • Ist mir der Preis zu hoch? Warum bewerte ich das überhaupt?
  • Warum brauche ich diese Sicherheit?

„Und bitte, falls du fragst: Kann ich das schöne, glückliche Leben nicht auch in meine jetzige Situation einbringen? Dann lausche auf die Antwort, die du soeben in deinem Inneren vernommen hast. Du kennst sie. Du weißt, welche Gefühle dafür notwendig sind und du weißt, ob diese Gefühle (noch) vorhanden sind, oder nicht?“

„Sternenflaum! Ja ich fühle es, doch ehrlich, das ist mir gerade zu viel auf einmal; ich brauche Zeit um über alles nachzudenken …“

Nachtlicht gefällig?“



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