24. Kapitel | Schatten verstehen

„Sternenflaum, bitte, bist du da? Das ganze Thema mit Licht und Schatten beschäftigt mich mehr als mir lieb ist. Es kommt mir vor, als würde ich dabei über die Welt an sich nachdenken. Das ist mir echt zu groß!“

„Liebste Fee, das Thema um Licht und Schatten beschäftigt die Welt wohl seit Anbeginn. Wenn du erlaubst, betrachten wir es aus der jetzigen Sicht, aus deiner jetzigen Perspektive und Wahrnehmung.“

„Ja, okay, danke. Das klingt besser.“

„Bitte, Fee, erwarte aus unseren Gesprächen und auch aus deinen Überlegungen keine Endlösung oder gar die perfekte Antwort. Beides kann es, bei genauerer Betrachtung, nicht geben.“

Leben ist lebendig

ist in Bewegung

ist ohne Ende

„Dann ist Perfektionismus also an sich gar nicht möglich?“

„Für den Moment schon.“

„Doch im nächsten kann schon wieder alles anders sein, etwas noch besseres auftauchen …“

„Genau. Du befreist dich von dem Drang etwas perfekt machen zu wollen, wenn du einsiehst, dass dies immer nur eine Momentaufnahme ist.“

„Flaumi, somit hat sich schonmal ein Schatten erledigt.“

„Wie meinst du das?“

„Wenn ich etwas nicht perfekt genug hinbekommen habe, wanderte dies direkt in den Schattenbereich.“

„Interessant.“

„Ja, wow, das finde ich auch gerade!“

„Fee, wie weißt du eigentlich, wann du etwas nicht perfekt genug gemacht hast?“

„Wenn der Applaus fehlt. Also, ich meine, nicht klatschen oder so, mehr im übertragenen Sinn. Wenn also das, was ich mache, nicht auf positive Resonanz stößt.“

„Dann machst du das, was du machst also nur für andere?“

„Nein! Flaumi! Ach … na toll. Plitschplatsch in den Schatten.“

„Schatten ist gut für einen kühlen Kopf!“

„Flaumi! Bitte!“

„Ist ja gut. Pause?“

„Hmmmmm …“

„Sternenflaum! Hallo?!“

„Liebste Fee, willst du in diesem Fall auch mit mir Vorlieb nehmen?“

„Licht! Oh, ja natürlich. Ich meine, wer wäre besser geeignet für ein Gespräch über Licht und Schatten …“

„Jede und jeder im Grunde. Doch ich merke, wie sehr dich das Thema beschäftigt. Du versuchst zu kategorisieren, weil du nicht werten willst. Gleichzeitig findest du zu wenig Übereinstimmungen ebenso wie zu viele Widersprüche. Es ist nicht verwunderlich, dass du verwirrt bist.“

„Danke.“

„Gerne. Feodora, sag mir, hast du während einer Meditation schon einmal Schatten gefühlt oder besser gesagt, dass, was du darunter verstehst?“

„Nein. Doch das ist auch etwas was mich beschäftigt. Wenn doch Licht und Schatten zusammengehören, warum fehlt dann ein Teil während einer Medi?“

„Weil du sie vorher getrennt hast.“

„Ich?“

„Nicht nur du allein. Bitte, versuche zu fühlen.“

„Okay. Ich bin ganz ruhig.“

„Das fällt dir gerade überraschend leicht?“

„Stimmt. Das waren gerade meine Gedanken.“

„Möchtest du jetzt einen Schatten hervorholen?“

„Sicher nicht!“

„Trau dich und schau hinter dich. Du wirst einen Schatten sehen.“

„Bitte, bring mich nicht zum Weinen!“

„Schau, liebste Fee, schau hin. Schau wie das Licht den Schatten durchdringt! Schau, wie beide aus denselben Farben bestehen! Deine Traurigkeit, deine Angst, deine schmerzvollen Erinnerungen – natürlich weichst du dem aus, doch schau, wie Hoffnung erwächst, wie sich innerer Frieden ausbreitet, wenn du der Angst mutig begegnest! Schau, wie dich deine Erinnerungen schützen und deine Traurigkeit dich mit lieben Menschen verbindet. Ist diese Kraft schwächer als das Licht?“

„Nein, überhaupt nicht! Ich …“

„Ganz ruhig. Bleib bei dir, atme so entspannt wie möglich und lass dir Zeit.“

„Ja … Danke! … Ich …“

„Psst … Atme …“

Fortsetzung folgt …



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