19. Kapitel | Sicherheit

„Es lässt uns aufatmen, doch es kann auch beklemmend sein. Das Umfeld, in dem wir leben, ist es das, was wir wirklich wollen, bzw. uns vom Leben wünschen? Sternenflaum, können wir uns darüber unterhalten?“

„Selten begegnen mir Menschen die diese Frage mit ‚Ja‘ beantworten können. Viel öfter sehe ich nach dieser Frage in Gesichter, die irgendwie scheinen, als würden sie sich in sich selbst zurückziehen. ‚Nein‘, das ist die Antwort, mit einem ‚leider‘ als Begleitung. Und ein ‚aber‘ kommt gleich anschließend noch dazu. Manchmal auch ein ‚wie‘.
Es gibt da eine Frage, liebe Fee, die kommt in dem Zusammenhang so gut wie nie, dabei ist es wohl die einzige Frage, auf die eine Antwort folgen kann.“

„Wie lautet sie?“

„Es ist die Frage nach dem ‚Warum‘. Warum ist mein Leben nicht so, wie ich es mir erträume, beziehungsweise wünsche?“

WARUM?

„Kann es sein, dass mir die Antwort darauf nicht gefallen wird?“

„Gut möglich. Die Antwort darauf ist: Sicherheit. Hat nicht jeder schon davon gehört, dass man sein Leben jederzeit ändern kann? Das ein jeder ‚seines Schicksals Schmied‘ ist? Auch hier heißt die Frage nicht ‚Wie‘, sondern ‚Warum‘. Warum ändere ich es dann nicht?“

„Flaumi, darauf antworten wohl viele: Aber wie kann ich es denn ändern? So viele Probleme, Umstände, Familie etc. Wie soll ich da was machen können?“

„Schau, es kommen wieder die ‚Wie-Fragen‘. Doch diese enthält keine mögliche Antwort; sie ist nur ein Verdrängen, ein Abschieben der Verantwortung für sein eigenes Leben. Die Frage bleibt: Warum? Die Antwort bleibt: Sicherheit.“

„Erkläre es mir bitte, Sternenflaum.“

„Hast du dich nicht wohlig eingerichtet in deiner Komfortzone Sicherheit? Ist es zwar lästig, langweilig, unausgefüllt, problembehaftet, schmerzend und schwierig, dein Leben, aber dennoch, wenn du es genau betrachtest, dann hast du doch alles, oder? Job, Haus, Familie, Auto etc. Anderen gehts schlechter, nicht wahr? Natürlich, es könnte besser sein, du könntest dich glücklicher fühlen, aber …“

„Tja, raus aus diesem Komfortzonen-Leben würde bedeuten, auch das vermeintlich Gute zu verlieren.“

„Pass auf, Fee, denn es würde unter anderem auch heißen, Bequemlichkeit mit Energie zu tauschen, das hat zwei Seiten. Wäre es nicht schön, wenn in deinem Leben mehr los wäre? Mehr Spaß und Freude, mehr Spontanität und Glück?“

„Ja, aber meistens …“

„Siehst du, die Antwort versteckst du in dir selbst. In deinem inneren Konflikt. Weil du glaubst, was oben steht, dass zum Beispiel die Bequemlichkeit abhandenkäme, würdest du dein Leben verändern. Weil du nicht glaubst, dass es dir nach der Veränderung wirklich besser geht, und du dir nicht vorstellen kannst, dass ein Verlassen der jetzigen Lebenssituation, dir automatisch mehr Lebensfreude beschert. Du siehst Probleme auf dich zukommen. Probleme die du jetzt nicht hast. Wiegst du sie gerade gegeneinander auf, in deinem Kopf? Solange du dies machst, wirst du nichts verändern. Du wirst dein gesichertes, aber langweiliges Leben nicht aufgeben.“

„Manche sagen, dass da wohl der Schmerz noch nicht groß genug ist.“

„Das stimmt so nicht. Der Schmerz ist riesig! Der Schmerz schreit in den Himmel! Es ist kaum auszuhalten. Und ein Ende, eine Schmerzgrenze, ist nicht in Sicht. Denn, je größer der Schmerz ist, beziehungsweise wird, umso mehr ziehst du dich in deine Sicherheits-Komfortzone zurück. Das ist völlig logisch und nur allzu menschlich.“

„Dann ist es nicht falsch?“

„Nein, daran ist nichts Falsches. Nur ist es keine Lösung.“

Frage dich:

  • Was verstehe ich unter dem Begriff Sicherheit – in Bezug auf mein Leben, meine Partnerschaft, meinen Beruf? Warum ist mir das so wichtig?
  • Was brauche ich, um diesen Bedarf zu decken? Warum glaube ich, zu wenig zu haben?
  • Ist es wirklich unmöglich für mich, dieses Bedürfnis auch außerhalb meiner jetzigen Welt zu stillen? Warum suche ich nicht danach?
  • Ist es überhaupt möglich, diese Sicherheit im Außen zu finden? Warum suche ich nicht im Innen?
  • Hat mir schon mal irgendwer völlige Sicherheit geben können oder bleibt immer so ein kleines Rest-Unsicherheitsgefühl übrig? Warum hinterfrage ich das nicht?
  • Was muss ich dafür tun, um von Außen, also von den Menschen in meinem Umfeld, diese Sicherheit zu bekommen? Warum kümmert mich das?
  • Ist mir der Preis zu hoch? Warum bewerte ich das überhaupt?
  • Warum brauche ich diese Sicherheit?

„Und bitte, falls du fragst: Kann ich das schöne, glückliche Leben nicht auch in meine jetzige Situation einbringen? Dann lausche auf die Antwort, die du soeben in deinem Inneren vernommen hast. Du kennst sie. Du weißt, welche Gefühle dafür notwendig sind und du weißt, ob diese Gefühle (noch) vorhanden sind, oder nicht?“

„Sternenflaum! Ja ich fühle es, doch ehrlich, das ist mir gerade zu viel auf einmal; ich brauche Zeit um über alles nachzudenken …“

Nachtlicht gefällig?“



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