14. Kapitel | Ent-täuschung

Enttäuschung oder Ent-täuschung? 

Jeder kennt es enttäuscht zu werden,
jeder hat auch schon andere enttäuscht.
Enttäuschungen können ganz schön verletzen.
Nun können wir uns dieses Wort einmal
genauer angesehen und dabei feststellen,
dass es, mit Bindestrich geschrieben, uns sagt:

Es ist zu Ende mit der Täuschung.

„Mein lieber Sternenflaum, du kannst Gedanken lesen. Seit diesem Traum, der Musik und der Worte über das Augenöffnen, kommen mir mehr und mehr Erinnerungen in den Sinn, die ich bislang sorgsam verdrängte. Ja, ich habe enttäuscht und ja ich wurde enttäuscht. Du sagst jetzt, ich habe ent-täuscht. Das heißt also, dass sich jemand anderes mir gegenüber täuschte und ich das auffliegen ließ?“

„Fee, du wunderbares Menschenwesen. Ja, du kannst das durchaus so sehen. Schau, eine Enttäuschung folgt oft auf eine vorhergehende Erwartung. Eine Erwartung wiederum, ist eine passive, abwartende, wünschende, hoffende Haltung. Man erwartet von sich oder den anderen irgendetwas, aber man tut nichts dafür. Man wartet, dass es zu einem kommt. In den wenigsten Fällen ist dies aber der Fall.“

„Es erwarten etliche etwas von mir. Stimmt, sie warten regelrecht darauf, dass ich tue oder bin oder sein lasse was auch immer. Ich mag Erwartungen nicht. Ich verstehe sie nicht einmal.“

„Viele täuschen sich mit Erwartungen über die eigene Verantwortung hinweg. Wenn dann das Erhoffte, das Erwartete tatsächlich nicht eintritt, dann fühlt man sich enttäuscht. Im Grunde ist allerdings nur die Eigentäuschung aufgeflogen.“

Die Täuschung fliegt auf, wir sind sprichwörtlich Ent-täuscht.

„Flaumi, das ist die schmerzlichste Verletzung, wenn mir bewusst wird, dass ich doch eigentlich von vornherein wusste was passiert. Ich habe mich nicht auf mich selbst verlassen, habe von anderen etwas erwartet und erhofft, von dem ich doch wusste, dass es entweder nie eintritt, oder ich es dem anderen insgeheim doch gar nicht zutraute.“

„Ja, denn die Dinge, die dich im Leben weiterbringen, sind die, die du durch eigenes Tun in die Wege leitest. Wer kennt nicht den Satz: wenn man nicht alles selber macht … Doch genau das ist es. Du darfst es selber tun. Denn wenn du auf äußere Einflüsse wartest oder gar auf Wunder, dann unterliegst du einer Täuschung.“

„Heißt ja nicht, dass ich alles alleine tun muss. Nur eben ohne Erwartung. Wow. Schon wieder eine Herausforderung die sich gut anfühlt! Danke!“

„Versuche es, liebe Fee.“

„Flaumi, ich habe mal gelesen, dass wenn man die Meinung von jemanden hört, man sie entweder annehmen oder ablehnen kann, oder aber man kann daraufhin seine eigene Meinung über die Dinge der Welt entdecken. Du hilfst mir gerade sehr dabei!“

„Das wünsch ich dir und allen! Denn das zeigt, dass sich wer auf den Weg macht, den Weg zu sich selbst.“



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